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Veranstaltungen aus dem Landesverband
Veranstaltungen aus dem Landesverband

Schlacht von Verdun: Erste Skulptur eines deutschen Soldaten eingeweiht

Initiiert von der Reservistenkameradschaft Püttlingen

Eine Skulptur aus Beton und Stahl, die Soldaten der Schlacht von Verdun darstellt

Skulptur aus Beton und Stahl "Der Mahlstrom" Th. Dillschneider

„Als ich vor einigen Jahren die Skulptur „Der Splittermann“ von Reiner F. Schulz in Beine-Nauroy bewundern durfte, wuchs in mir der Wunsch, auch eine solche für Fleury schaffen zu lassen“, so Bernd Längler, der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft (RK) Püttlingen. Er pflegt seit 20 Jahren eine enge Verbindung zum Bürgermeister des zerstörten Dorfes. Und so kam es: im Rahmen der jährlichen Gedenkfeier in Fleury-devant-Douaumont Anfang Juli wurde die Skulptur „Der Mahlstrom“ von Reiner F. Schulz eingeweiht. Mit dabei waren ein österreichischer General und ein 97-jähriger ehemaliger Konferenzdolmetscher, der langsam Abschied nimmt von diesem besonderen Ort.
 

Zerstörte Dörfer als Mahnung

Fleury-devant-Douaumont ist eines von neun zerstörten Dörfern rund um Verdun, die nach der Schlacht von 1916 nicht wieder aufgebaut wurden. Man hat sie jedoch auch nicht der Natur überlassen, sondern ehemalige Straßenzüge und Gebäude gekennzeichnet, in jedem der Orte jeweils eine Kapelle „Notre Dame de l’Europe“ (s. Foto) gebaut und verschiedene, mehrsprachige Monumente errichtet. Diese Dörfer sollen weiterhin sichtbar sein als Mahnung für alle, die ihre Ortsschilder passieren. Und daran erinnern, dass hier einst Menschen lebten, die die Schlacht aus ihrem Alltag riss. 

Skulptur im Granattrichter

Regelrecht von einem „Mahlstrom“ erfasst wurden vor 110 Jahren Menschen, Material, Tiere und Landschaft – daher der gleichlautende Name der Skulptur. Sie besteht aus Beton und Stahl, den wichtigsten Materialien des Ersten Weltkriegs: Mit Stahl griff man an, mit Beton schützte man sich. Je nach Perspektive des Betrachters sieht man mal einen französischen, mal einen deutschen Soldaten, dann einen Helm oder auch einfach nur zusammenhangsloses, rostiges Eisen. Gebaut wurde die Skulptur in einen Granattrichter hinein, sodass sie sich harmonisch in die besondere Landschaft fügt. Kameraden der RK Püttlingen errichteten sie in Zusammenarbeit mit dem Künstler Reiner F. Schulz und mit dem Bürgermeister von Fleury, Jean-Pierre Laparra. Letzterer setzte sich dafür ein, dass diese Skulptur gebaut werden konnte. Sie ist die erste in der Region, die einen deutschen Soldaten darstellt.

Viele Spenden machten den Bau möglich

Zur Einweihung am Sonntagvormittag kamen Deutsche, Franzosen und auch Österreicher. Brigadier i. R. Dr. Johannes Kainzbauer hat in seiner Funktion als Geschäftsführer des Österreichischen Schwarzen Kreuzes Oberösterreich einen wesentlichen finanziellen Anteil für die Skulptur übernommen. Ebenso wie der Bund Deutscher Fallschirmjäger, Landeskameradschaft Saarland, das Ehepaar Martina Teja und Robert Scherer, die Familie von Einem, die Association des Sous-Officiers de Réserve de St. Avold, die Reservistenkameradschaft Hassel und viele weitere private Spender. Während die Gemeinde Fleury die Kosten für den Cortenstahl übernahm, zeigte der Künstler, wie sehr ihm das Projekt am Herzen liegt, indem er auf eine Bezahlung seiner Arbeitsleistung gänzlich verzichtete. 

„Das heute enthüllte Denkmal soll (…) ein Zeichen dafür sein, dass die Völker Europas aus den Tragödien der Vergangenheit zu Partnern und Freunden geworden sind. Die europäische Friedensordnung und die Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen sind keine Selbstverständlichkeiten; sie verlangen Verantwortung, Dialog und den festen Willen, Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen.“

Brigadier i. R. Dr. Johannes Kainzbauer, Österreichisches Schwarzes Kreuz

Über 70 Jahre Versöhnungsarbeit

Ein weiterer besonderer Gast war Karl Freudenstein, 97 Jahre alt, aus Geldern in Nordrhein-Westfalen. Seit 2010 kam er jedes Jahr zur Gedenkfeier und dolmetschte ins Französische. Von 1955 bis 1993 war er als Konferenzdolmetscher des Bundesministeriums der Verteidigung unter anderem an Verhandlungen mit John F. Kennedy, Franz Josef Strauß, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer beteiligt. Dass ihm die deutsch-französische Freundschaft sehr wichtig ist, kann man erahnen. Er setzte sich mit der RK Püttlingen für verschiedene Projekte der Erinnerungsarbeit in der Region ein und vermittelte nicht nur sprachlich, sondern auch menschlich. 

„Ich bin sehr stolz darauf, Karl meinen Freund nennen zu dürfen. Karl ist ein großartiger Mann. Vielleicht der großartigste, den ich je kennenlernen durfte“, so Bernd Längler. Als erster Redner am Denkmal von Fleury stand Karl Freudenstein von seinem Rollator auf, ergriff das Mikrofon und kündigte an, dass er nun seine Dolmetschertätigkeit an diesem Ort beenden werde. Gerne wolle er der Veranstaltung aber weiterhin beiwohnen – als Ehrenmitglied der Reservistenkameradschaft Püttlingen, wie er später hinzufügte. Viele schüttelten ihm anschließend die Hand und baten um ein Foto. Beim Verlassen des Restaurants, in dem im Anschluss ein Empfang mit Mittagessen stattfand, applaudierten ihm alle Menschen im Saal. 

Herzlichen Dank an Bernd Längler für die Organisation dieses bedeutenden Gedenktages, für die Pflege dieser deutsch-französischen Freundschaft und für das Zusammenbringen vieler verschiedener Menschen, die noch an Europa glauben. 

Amélie Zemlin-Kohlberger Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit