Veranstaltungen aus dem Landesverband
Veranstaltungen aus dem Landesverband

27-Jährige auf den Spuren des Ururgroßvaters

Grablage dank Volksbund gefunden

Altes Foto in sepia eines Soldaten in Uniform

Theodor Vogelgesang als junger Soldat, vermutlich kurz vor seiner Abreise nach Afrika. privat

Mitte des Jahres meldete sich Sarina Hippchen aus Homburg/Saar für verschiedene Führungen und Fahrten des Landesverbandes Saar an. Unter anderem interessierte sie sich für die Tagesfahrt nach Verdun, da ihr Ururgroßvater im Ersten Weltkrieg im deutsch-französischen Grenzgebiet gefallen war. In den letzten Monaten hatte sie zu seinem Leben recherchiert und dank des Volksbundes auch die Grablage erfahren. Im persönlichen Gespräch mit unserem Landesgeschäftsführer nach einer Führung versprach sie, bei der nächsten Verdunfahrt über die Ergebnisse ihrer Recherche zu berichten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich sehr berührt und interessiert an ihrer akribischen Suche. 

Mit dem Einverständnis von Sarina Hippchen veröffentlichen wir ihren Vortrag daher hier auf unserer Homepage. Vielen herzlichen Dank an Frau Hippchen für Ihre Recherche, Ihren Einsatz und Ihre Wertschätzung der Volksbundarbeit!
 

Handwerksberuf verbindet Ururgroßvater mit der Homburgerin

Mein Name ist Sarina Hippchen, ich bin 27 Jahre alt, komme aus Homburg und bin gelernte Heizungsbauerin – ein Handwerksberuf, der mir sehr am Herzen liegt. Seit etwa zwei Jahren beschäftige ich mich intensiv mit einem Thema, das mich schon lange interessiert hat: Ahnenforschung. Es begann mit alten Bilderkisten, die über mehrere Generationen in unserer Familie weitergegeben wurden. Beim Durchstöbern bin ich auf ein altes Foto gestoßen – das Bild meines Ururgroßvaters Theodor Vogelgesang. Er wurde am 21. September 1883 in Hütschenhausen geboren, das damals noch zu Homburg gehörte. Von Beruf war er Steinhauer – also ein echter Handwerker, was mich natürlich besonders freut. Am 24. Dezember 1910 heiratete Theodor Paulina Schroer in Hütschenhausen. Die beiden hatten eine Tochter, geboren am 29. November 1912, und einen Sohn, über den ich bisher leider nichts herausfinden konnte. Auch das ist Teil meiner laufenden Ahnenforschung.

Das Militär führte ihn nach Afrika und Frankreich

Mit 20 Jahren, am 25. Oktober 1904, trat er in die Deutsche Armee ein und wurde dem 2. Jäger-Bataillon zugeteilt. Nach einem Jahr Grundwehrdienst wurde er am 17. August 1905 nach Lüderitz in Deutsch-Südwestafrika – dem heutigen Namibia – zur Schutztruppe versetzt. Dort blieb er aber nur bis zum 31. Dezember 1907, also etwa zweieinhalb Jahre. Ausgebildet wurde er am Gewehr 88 und an der Karabiner 98, jeweils in der Reiterversion. Denn bei der Schutztruppe waren alle Infanteristen auch Reiter – sie führten spezielle, kürzere Gewehre.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs trat Theodor am 3. August 1914 erneut in die Armee ein. Schon am 7. Januar 1915 wurde er zur Reserve-Radfahrer-Kompanie versetzt und wenige Tage später, am 10. Januar, zum Oberjäger befördert. Am 19. Februar 1915 nahm er an der Schlacht bei Münster in den Vogesen teil – er kämpfte dort am Kleinkopf und überlebte.

Doch nur wenige Wochen später, am 6. März 1915, fiel er in der Schlacht am Reichsackerkopf – vermutlich durch einen Kopfschuss. Er war gerade einmal 32 Jahre alt. 

Bewegender Moment: Suche nach seinem Grab war schnell erfolgreich

In den 1920er Jahren wurde Theodor durch den französischen Gräberdienst auf die deutsche Kriegsgräberstätte in Breitenbach umgebettet. Da in meiner Familie niemand mehr lebt, der mir etwas über Theodor erzählen konnte, war ich auf mich allein gestellt. Ich habe viel recherchiert, stundenlang im Internet gesucht – und schließlich den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge entdeckt. Ich stellte eine Anfrage – und bekam schon nach kurzer Zeit eine Antwort. Dort stand, wo genau Theodor begraben wurde, und ich konnte sogar ein Foto seiner Grabstelle anfordern. Das war ein sehr bewegender Moment für mich – plötzlich war da nicht mehr nur ein altes Foto in einer Kiste, sondern ein greifbares Stück Geschichte. Ich hatte einen Ort, an dem ich ihm – und damit auch meiner Familiengeschichte – näherkommen konnte.

Warum der Volksbund so wichtig ist

Und genau deswegen ist die Arbeit des Volksbundes so unglaublich wichtig. Ohne ihn wüsste ich – wie so viele andere – vielleicht nie, wo mein Ururgroßvater begraben wurde. Es mag „nur“ eine Grabstelle oder „nur“ ein Foto sein. Aber es ist viel mehr: Es ist ein Ort der Erinnerung, ein Ort der Verbindung, und ein Stück Identität. Der Volksbund hilft Familien, ihre Wurzeln zu finden – und das ist etwas, das unbezahlbar ist. Der Volksbund widmet sich der Pflege und Würdigung der Gräber sowie der Erinnerung an die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, damit die Geschichten und Schicksale der Soldaten und ihrer Familien nicht in Vergessenheit geraten – eine Mahnung an uns alle, dass solche Tragödien sich niemals wiederholen dürfen. 

Ich bin dankbar, dass ich durch die Ahnenforschung und die Unterstützung des Volksbundes meinem Ururgroßvater Theodor näherkommen konnte. Sein Leben – seine Reisen, seine Entscheidungen, sein Opfer – sind heute nicht mehr nur Teil der Geschichte, sondern Teil meiner Geschichte. Danke, dass ich euch daran teilhaben lassen darf.

Text: Sarina Hippchen

Amélie Zemlin-Kohlberger Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit