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Meldungen aus dem Landesverband Saar
Meldungen aus dem Landesverband Saar

Ukrainische Journalisten besuchen Kriegsgräberstätten in Luxemburg mit Deutsche Welle Akademie und Volksbund

Austausch über Kriegsgräber und Einzelschicksale

Eine kleine Gruppe Menschen fotografiert eine Kriegsgräberstätte

Die Journalistinnen und Journalisten zeigten sich sehr beeindruckt von der deutschen Kriegsgräberstätte. Volksbund/Amélie Zemlin-Kohlberger

Vor anderthalb Jahren fing alles an: Die Deutsche Welle Akademie fragte damals bei Landesgeschäftsführer Carsten Baus einen Termin für eine Begegnung in Luxemburg an. An dem Austausch beteiligt sein sollten ukrainische Kriegsberichterstatterinnen und -berichterstatter, die ein zweiwöchiges Seminar in der Großregion absolvierten. Der Besuch auf der deutschen Kriegsgräberstätte Sandweiler war Teil des kulturellen Rahmenprogramms. Da der Austausch allen positiv in Erinnerung blieb, wurde er mit der diesjährigen Gruppe wiederholt.

Die Kriegsgräberstätte Sandweiler ist die erste Kriegsgräberstätte, die der Volksbund im Ausland errichtete. Eingeweiht wurde sie vor rund 70 Jahren; in Kürze findet eine diesbezügliche Gedenkveranstaltung statt. 10.913 deutsche Kriegstote sind hier bestattet, 4.829 davon in einem Kameradengrab. Die Stille des Friedhofs wird gelegentlich vom Fluglärm des benachbarten Flughafens gestört. Carsten Baus, Dennis Köppl, Bildungsreferent des Landesverbandes Rheinland-Pfalz, sowie Amélie Zemlin-Kohlberger, Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit des Landesverbandes Saar, erwarten die acht Ukrainerinnen und Ukrainer, die von Marius Elbracht und Dr. Kyryl Savin von der Deutschen Welle Akademie begleitet werden. Olesya Kovalchuk von der StudienStiftungSaar dolmetscht aus dem Ukrainischen, Englischen und Deutschen. Die rund 90-minütige Führung über den Friedhof beinhaltet sowohl Informationen zum Volksbund und zur Historie als auch zwei Einzelschicksale. 

Zufallsfund: Verwandter des Landesgeschäftsführers ruht im Kameradengrab

Dennis Köppl, der die Gruppe führt, erzählt von Werner Georg und von Werner Kübler – zwei sehr unterschiedliche Schicksale, die Sie bei einem Klick auf die Namen nachlesen können. Ihnen gleich ist jedoch, dass beide sehr jung verstarben und ihre Zukunftspläne nicht mehr umsetzen konnten. Während Werner Georg in einem Einzelgrab ruht, hat Werner Kübler seine letzte Ruhestätte im Kameradengrab erhalten. Als Dennis Köppl dazu ermuntert, Küblers Namen auf den Bronzetafeln, die oberhalb der Kriegsgräberstätte in einer runden Form angelegt sind, zu suchen, findet Carsten Baus durch Zufall den Namen eines Verwandten: Rudi Baus, 1925 geboren und im Januar 1945 gefallen, ein Cousin ersten Grades seines gleichaltrigen Onkels und mit diesem eng befreundet, ruht ebenfalls im Kameradengrab. 

Carsten Baus weiß: Die Eltern des Gefallenen haben es nie verwunden, dass ihr Sohn fiel und der Onkel lebend aus dem Krieg heimkehrte. Den Kontakt mit dem Onkel von Carsten Baus haben sie daher lebenslang gemieden. Nach dem Krieg haben die Eltern von Rudi Baus dann zwei Kinder aus schwierigen Verhältnissen bei sich aufgenommen. Einer der beiden erinnert sich heute: „Über den Bub wurde nie gesprochen“.

Amerikanische Kriegsgräberstätte beeindruckt die Gruppe

Der zweite Teil des Vormittags bestand aus einer Führung über die benachbarte amerikanische Kriegsgräberstätte in Hamm. Das blau-goldene Eingangstor, das mit Efeu bewachsene Besucherhäuschen und die Gedenkkapelle beeindruckten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 26 solcher Kriegsgräberstätten gibt es auf der ganzen Welt außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Direktor der Kriegsgräberstätte und Vertreter der American Battle Monuments Commission, Nathan Jellen, führt eine gute Dreiviertelstunde über das Areal. An einer Wand sind all die Vermissten aufgelistet – diejenigen, die inzwischen mittels Recherche und DNA-Tests gefunden und umgebettet wurden, erhielten eine bronzene Rosette als Kennzeichnung. 5.076 amerikanische Soldaten ruhen auf der Kriegsgräberstätte in Einzelgräbern. Die meisten von ihnen fielen in den letzten sechs Monaten des Zweiten Weltkrieges. Darunter auch Private William D. Mc Gee, der die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten erhielt: die „Medal of Honor“. Er war 23 Jahre alt und rettete einen Kameraden von einem Minenfeld in Deutschland. Er selbst starb durch eine Mine bei dem Versuch, einen weiteren Kameraden zu retten. Der jüngste Kriegstote, der in Hamm ruht, war ein 18-jähriger deutscher Jude, der in die USA emigriert und dort zur US Army gegangen war. Sein Bruder und Vater starben im KZ. 

Offene Gespräche über Kriegsgräber in verschiedenen Ländern

Obwohl die Erzählungen in der Regel traurig und bedrückend waren, zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr interessiert und stellten eine ganze Reihe interessanter und aufschlussreicher Fragen. Bei einem anschließenden Mittagessen in Luxemburg kamen sie mit den Vertreterinnen und Vertretern der Deutsche Welle Akademie und des Volksbunds ins Gespräch über die verschiedenen Kriegsgräberstätten der einzelnen Nationen und auch über den Alltag im Krieg. Artem Perfilov, ein Freelancer und Fixer (Journalisten, die Interviews vermitteln, andere Journalisten führen und für sie dolmetschen) aus Odessa erzählte beispielsweise, dass ihm die ukrainischen Gräber nicht gefielen. Jedes Grab sehe anders aus, da es von den Familien selbst gestaltet würde. Ihm persönlich gefielen die einheitlichen, schlichten Gräber auf der deutschen Kriegsgräberstätte besser. Was alle Teilnehmer gut fanden und für ihre Heimat als Vorbild: Die Geschichte des Krieges wird durch einen von der Bevölkerung getragenen Verein vermittelt und nicht durch staatliche Stellen.

Dies war für alle Beteiligten ein sehr spannender Tag. Wir bedanken uns herzlich für die Gelegenheit dieses Austauschs und das Interesse an unserer Arbeit!

Amélie Zemlin-Kohlberger Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit