Meldungen aus dem Landesverband Saar
Meldungen aus dem Landesverband Saar

Enkelin erfährt überraschend, wo ihr Großvater begraben liegt

Souvenir Français aus Montmorillon startete Suche nach Angehörigen

Eine Frau mit Blumenstrauß steht lachend zwischen zwei Männern.

Karin Leibrock freut sich sehr über die Blumen von Christoph Kaub (r.) und die Unterlagen von Patrice Bouteloup (l.). privat

Der folgende Bericht zeigt, dass es sich lohnt, dranzubleiben, wenn man ein Rätsel lösen möchte. Und manchmal löst man dann nicht nur das Rätsel, sondern bildet die Grundlage für eine deutsch-französische Freundschaft und schließt gleichzeitig eine Lücke in einer Familiengeschichte. 

Zufallsfund von Unterlagen löst Suche aus

Alles fing an mit einer Mail von Christoph Kaub, Ortsvorsteher des Stadtteils Wadern und Vorsitzender des Partnerschaftskommitees Wadern/Noswendel-Montmorillon, an Amélie Zemlin-Kohlberger vom Volksbund-Landesverband Saar. Zwischen seiner Heimatgemeinde und Montmorillon (in der Nähe von Portiers und Limoges) besteht seit 1968 eine Partnerschaft. Er beschrieb, dass der Vizepräsident des Souvenir Français aus Montmorillon, Patrice Bouteloup, vom örtlichen Archiv Unterlagen zu fünf Deutschen erhalten habe, die im Zweiten Weltkrieg in Montmorillon zu Tode kamen. Darunter war auch Peter Schmitt, der in Saarbrücken geboren wurde. Der Geburtsort ließ den Franzosen aufhorchen, da er sich wegen der Städtepartnerschaft schon viel mit dem Saarland befasst hatte. Patrice Bouteloup legte die Dokumente nicht einfach zu den Akten. Für ihn war es selbstverständlich, dass er die Familie des Gefallenen finden und ihr diese Unterlagen übergeben möchte. Gemeinsam mit Christoph Kaub machte er sich auf die Suche. Vom Saarbrücker Standesamt erfuhren sie, dass die Tochter von Peter Schmitt nach Kirkel umgezogen sei. An dieser Stelle geriet die Suche ins Stocken. 

Volksbund-Landesgeschäftsführer löst das Rätsel

Peter Schmitt wurde am 01.09.1944 verletzt ins Krankenhaus von Montmorillon eingeliefert. Dort verstarb er wenige Wochen später am 19.09.1944 im Alter von 37 Jahren. Zunächst wurde er auf dem Gemeindefriedhof Montmorillon / Vienne, in Grab 3 bestattet und am 24.05.1961 dann auf die Kriegsgräberstätte Huisnes-sur-Mer umgebettet. Dort ruht er bis heute in Gruft 65, Grabkammer 60. 

All das war den Nachfahren von Schmitt nicht bekannt – der Volksbund wiederum hatte auch keine Kontaktdaten der Familie. Landesgeschäftsführer Carsten Baus konnte dies ändern. Selbst aus Kirkel stammend, konnte er mit zwei Anrufen die Verwandtschaftsverhältnisse klären. Die Enkelin ist Karin Leibrock, die mit ihrer Familie den Eschweiler Hof, Hotel und Gaststätte zwischen Kirkel und Neunkirchen/Saar, betreibt. Amélie Zemlin-Kohlberger rief sie an und schilderte das Anliegen von Bouteloup. Trotz des unerwarteten Anrufs zeigte sich Karin Leibrock sehr offen und berichtete, dass die Familie nie Gewissheit über den Verbleib des Großvaters gehabt hätte. Zemlin-Kohlberger schickte ihr alle Unterlagen, die der Volksbund zu Peter Schmitt hat.

Übergabe der Unterlagen bei emotionalem Zusammentreffen

Der Zufall wollte es, dass Vertreterinnen und Vertreter aus Wadern-Noswendel und Montmorillon im Juli ein Treffen geplant hatten. Patrice Bouteloup reiste mit einer kleinen Delegation ins Saarland und besuchte in diesem Rahmen auch Karin Leibrock. Sie erhielt von Bouteloup die Sterbeurkunde und einen Krankenhausbericht, zusammen mit lokalen Speisen aus dem Département Vienne. Karin Leibrock war sehr gerührt, als sie die Unterlagen in den Händen hielt. Endlich wussten sie und ihre Familie, was dem Großvater widerverfahren war. Ermöglicht hatte dies vor allem Patrice Bouteloup, der hartnäckiges Engagement an den Tag gelegt hatte. Und das Ziel für die nächste gemeinsame Reise der Familie Leibrock steht nun auch fest: Montmorillon. 

Danke an Patrice Bouteloup, das Souvenir Français Montmorillon, die Gemeinde Montmorillon sowie Christoph Kaub für diese Begegnung, die vielleicht auch andere inspiriert, sich auf die Suche zu begeben und Schicksale zu klären. Der Volksbund steht immer gerne zur Verfügung und hilft mit allen Mitteln, damit Menschen wie Karin Leibrock nach Jahrzehnten der Ungewissheit endlich einen Ort der Trauer und des Gedenkens haben. 

Amélie Zemlin-Kohlberger Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit