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Meldungen aus dem Landesverband Saar
Meldungen aus dem Landesverband Saar

Bewegende Führung über die Kriegsgräberstätte Elm-Sprengen

Vier Kooperationspartner trugen zu verschiedenen Themen vor

Mehrere Menschen laufen hintereinander über einen Friedhof

Die Interessierten laufen gemeinsam zu einzelnen Gräbern, an denen vorgetragen wird. Volksbund/Amélie Zemlin-Kohlberger

Mitte Juni fand eine öffentliche Führung auf der Kriegsgräberstätte Elm-Sprengen statt. Das Gräberfeld im Wald ist mit über 1.000 Kriegstoten eine der größten Kriegsgräberstätten im Saarland.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Saar, veranstaltete diese Führung in Kooperation mit dem Landesamt für Soziales, dem Förderverein für Denkmalpflege und Heimatkunde Schwalbach e. V. und der Bürgerinitiative Stolpersteine Erinnerungsarbeit Püttlingen. 

Rund 30 Personen hatten sich zur Führung angemeldet, was ein großes Interesse seitens der Bevölkerung signalisiert. 

Entstehung der Kriegsgräberstätte Elm

Helmut Kreutzer, Vorsitzender vom Förderverein für Denkmalpflege und Heimatkunde Schwalbach e. V., schilderte die bewegte Geschichte der Kriegsgräberstätte: „Die Anfänge reichen bis in das Jahr 1939 zurück. Während der ersten Gefechte an der deutsch-französischen Grenze wurden gefallene Soldaten im rückwärtigen Kampfgebiet beigesetzt. (…) Bei Kriegsende befanden sich im Wald bei Sprengen etwa 50 Soldatengräber. Über viele Jahre hinweg wurden diese Gräber von den Bürgerinnen und Bürgern Sprengens uneigennützig gepflegt. (…) 

Im Jahr 1953 begann im Saarland eine umfassende Umbettungsaktion für Kriegstote auf zentrale Ehrenfriedhöfe. (…) Am 23. Mai 1954 wurde der neu gestaltete Ehrenfriedhof unter großer Beteiligung der Bevölkerung feierlich eingeweiht. Rund tausend Menschen nahmen an der Einweihungsfeier teil. 

Eine weitere bedeutende Maßnahme erfolgte 1975. Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters und des Turnvereins 1898 Schwalbach renovierte die Luftlandepionierkompanie 260 des Fallschirmjägerbataillons 263 aus Saarlouis die Anlage grundlegend. In sechs Großeinsätzen leisteten Soldaten (…) mehr als 1.500 Arbeitsstunden, um dem Ehrenfriedhof wieder ein würdiges Erscheinungsbild zu verleihen. Anschließend übernahm die Kompanie die Patenschaft für die Kriegsgräberstätte.“

Emotionale und bürokratische Hürden in der Nachkriegszeit

Detlev Zägel, Vorstandsmitglied des Volksbundes und Vorsitzender des Historischen Vereins Schiffweiler e. V., zeigte das Leid der zurückgebliebenen Frauen und ihre alltäglichen Probleme der Nachkriegszeit auf. Er hatte zwei Briefe dabei, die die Witwen zweier Kriegstoter verschickt hatten. Die beiden Gefallenen ruhten zunächst in Landsweiler-Reden und wurden später nach Elm umgebettet. 

Eine der Frauen war aus Hamburg und wandte sich 1947 an den Bürgermeister von Schiffweiler. Sie hatte erst drei Jahre nach dessen Tod vom Ableben ihres Mannes, Walter Burkhardt, erfahren und wollte nun wissen, wo die Unterlagen und Fotografien seien, die er bei sich gehabt hatte. Sie hätte gerne ein Andenken an ihn gehabt. Doch der Bürgermeister musste ihr mitteilen, dass nichts mehr auffindbar sei. 

Eine weitere Frau – aus Bremen – hatte keine offizielle Mitteilung über den Tod ihres Mannes Hermann Heile erhalten, sondern lediglich einen Brief eines Privatmanns, der das Grab pflegen würde. Um Witwenrente beantragen zu können, benötigte die Frau jedoch einen amtlichen Bescheid – dieser konnte ihr dann auch zugeschickt werden. 

Standrechtliche Erschießung zweier junger Soldaten

Prof Dr. Folz von der Bürgerinitiative Stolpersteine Erinnerungsarbeit Püttlingen erzählte von Wilhelm Küpper und Helmut Langer, zwei 19-Jährigen, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs standrechtlich von einem Erschießungskommando der Wehrmacht erschossen wurden. Die beiden Freunde waren nach einem verlorenen Angriff der Amerikaner auf den Spicherer Höhen allein zurück zu ihrem Quartier in Köllerbach gelaufen und wurden dabei fälschlicherweise für Fahnenflüchtige gehalten. Die Offiziere entschieden, dass sie erschossen werden sollten. Zuvor mussten die jungen Soldaten ihre eigenen Gräber selbst ausheben. All das geschah am 03.03.1945, kurz vor Kriegsende, und war ein Akt der Willkür fanatischer und enttäuschter Nazi-Offiziere. Heute ruhen Langer und Küpper Kopf an Kopf auf der Kriegsgräberstätte Elm.

Zuständigkeit für Kriegsgräberstätten im Inland

Simone Henning, Referatsleiterin „Kriegsgräberfürsorge“ beim Landesamt für Soziales (LAS), stellte abschließend ihre Arbeit vor. Was vielen nicht bekannt ist: im Inland sind die Kommunen für die Kriegsgräberstätten auf ihren Friedhöfen zuständig und erhalten dafür von einer Aufsichtsbehörde einen jährlichen Pauschalbetrag. Im Saarland ist das Landesamt für Soziales die zuständige Aufsichtsbehörde. Fünf Kriegsgräberstätten werden vom LAS selbst gepflegt, u. a. jene in Elm. Dorthin wurden auch die vier Kriegstoten umgebettet, die im vergangenen Jahr in Saarbrücken durch Zufall gefunden wurden. 

Trotz der unbeständigen Witterung blieben die Zuhörerinnen und Zuhörer bis zum Schluss vor Ort und zeigten sich sehr bewegt von den Einzelschicksalen. Sie waren ebenso sehr interessiert an der Arbeit des Landesamtes für Soziales und daran, wie heutzutage mit Gebeinfunden umgegangen wird. 

Herzlichen Dank an Bürgermeister Weber, der auch an der Führung teilnahm, und an alle Rednerinnen und Redner für ihre interessanten und wertvollen Beiträge!